Früher war mehr Hype. Wir leben in Zeiten, in denen Gitarren auf der Insel mal so richtig überhaupt nicht gefragt sind. Noch hat es keine der drei bisherigen Singles der Tribes in die Top 100 der britischen Charts geschafft, dennoch sind diese vier verstrubbelten Jungs aus Camden von einem zunehmend verzweifelten NME zum Hoffnungsträger des Quartals auserkoren worden, mit dem auf Teufel-komm-raus das nächste Indie-Revival losgetreten werden soll – vgl. The Vaccines, 2011. Also gab‘s fürs Debütalbum „Baby“ (VÖ in D am Freitag, 27.1.) krass überzogene 9 Punkte, sogar eine „der Gitarrist-hat-was-mit-Scarlett-Johannsen“-Story wurde fabriziert.
Dabei sind die Tribes einfach nur eine vollkommen okaye Indieband (mit oft gar nicht uncleveren Texten). Den Hype mögen sie so nicht verdient haben, den unweigerlich folgenden Backlash aber auch nicht. Naja. Im Dezember spielten sie in München vor den Kaiser Chiefs, ich traf Sänger Johnny Lloyd und Gitarrist Dan White zum Gespräch.
An dieser Stelle auch hier der Hinweis: Heute abend leg’ ich mal wieder im Atomic auf – auch wenn’s nicht im schriftlichen Programm steht. Kollege Hannes weilt auswärts, also springe ich ein. Ich plane, natürlich auch die sensationelle Nummer der Sleigh Bells aufzulegen – wenn ich mich denn traue. Ist ja immer nicht ganz leicht, diese Band zu mit irgendwas anderem aus meinem Repertoire zu kombinieren. Die zerMALMEN all meine verkopften Briten und weinerlichen Skandinavier.
Sieh an, eine neues Video der jetzt aber massiv anrollenden Citizens! Der Einfluss von Produzent Alex Kapranos ist unüberhörbar, macht nichts. Eigentlich ist das ja sogar ne gute Sache – und alleine für den Tanz bei 00:59 war’s wert, den Clip zu drehen.
Zum Thema britische Bands, die ihre Versprechen wahr zu machen drohen: Auch der neue Clip von Spector (“Chevy Thunder”) steht schon im Netz, aber der ist auf youtube schon gesperrt und den anderen Portalen, die ich hier einbetten kann, noch nicht zu sehen. Da hilft es mal wieder nur, zu verlinken.
Gestern im Mojo eine Albumrezi gelesen zur Glasgower Band Django Django -eine Band, von der ich rein gar nichts mitbekommen habe bisher. Aber was Mojo so beschrieb, das klang wie eine Art Beta Band mit Zähnen. Heute postet mein Buddy Flo den Link zum Video auf fb und es ist tatsächlich so gut, dass ich es auch hier sofort weiter verbreiten muss.
Als Urban Cone letztes Jahr ihren Knüller “Urban Photograph” rausbrachten, da gab’s auf der Single auch einen ordentlichen Remix von einem gewissen Lucas Nord. Jetzt zahlen Urban Cone ihm das Kompliment zurück – die beiden Sänger der Band leihen Lucas Nords eigener Debütsingle “Let Us Stay Young” ihre Stimmen und Gesichter. Ein flotter Indie-Elektro-Hit, dies. Die zwei Stimmen kann ich wiederum kaum auseinanderhalten.
Ich schimpfe ja privat immer über Bands, wenn sie mir zu offensichtlich andere Bands nachäffen. Momentan sind zum Beispiel erschütternd viele Two Door Cinema Club – Klone unterwegs. Die werden hier absichtlich NICHT gepostet und nicht mal namentlich genannt. Ätsch! Zapplige Rhythmen, Gitarren auf den hohen Bünden gespielt, zur Strophe der Beat raus, zum Refrain der Beat wieder rein… denkt Euch ‘ne eigene Formel aus, ihr Jammerlappen!
Dann aber… natürlich gab es mal eine Band, die war so toll, so toll, dass man haargenau, aber auch haargenau wie sie klingen darf, aber man wird hier trotzdem und erst recht gepostet. Hört Euch “Pennies Found” von The Holiday Crowd aus Scarborough, Ontario an, und ihr wisst, wen ich meine.
Es passiert wieder was! Die winterliche Release-Flaute, sie geht ihrem Ende entgegen. Schon wieder ein neues Video, das gepostet werden will, diesmal aus Dänemark, von den etablierten Nu-Synth-Meistern Whomadewho. Wobei ich den Clip zu “Inside World” sicher noch ein paar mal gucken muss, bevor ich ihn kapiert habe. Weird.
Hui, das war eine wilde Fete, die Indie-Electronica-Sause. Die Bässe pumpten, die Blitze zuckten, es wurde gekreischt und gesprungen und aus den dunklen Ecken hörte man es rhythmisch stöhnen. Als We Have Band endlichauftauchten, da waren die ersten Gäste schon wieder gegangen. Aber WHB hatten ihre gute Laune dabei und es war noch genug Leben in der Bude.
Seitdem hat die Party sich ziemlich verändert. Die Klaxons haben Pilze geschluckt und sind auf ihrem Trip lallend in der Ecke hängen geblieben. Justice wollten nur mal kurz an die Tanke, verratschten sich dort mit einem verranzten Progrocker, der nach Bommerlunder roch und den sie zu jedermanns Verdruss mit aufs Fest nahmen, jetzt stehen sie ausgegrenzt im Flur. Die CSS-Mädels, die erst alle so süß fanden, wurden peinlich aufdringlich, seitdem werden sie geschnitten. Digitalism denken, sie waren nur kurz auf dem Balkon eine rauchen – dabei traten sie dort in ein Zeitloch. Sie kamen zwar als haargenau die Gleichen zurück, die sie waren, doch auf der Party waren Stunden vergangen und keiner wusste mehr was mit ihnen anzufangen. Nur die Clique der Australier, von denen keiner wusste, zu wem sie eigentlich gehörten, sammelte sich in einem Nebenzimmer und wuchs und wuchs und wuchs (unerklärlicherweise, denn nie sah man jemanden durch den Eingang kommen). Die Aussies, sie gehen abseits fröhlich weiter ab mit einem Durchhaltevermögen, wie es nur Party-Australier haben können.
In der Küche sitzen derweil We Have Band in genau der Ausnüchterungs-Phase, die kurz vor dem schlimmen “Ich muss hier unbedingt weg, sofort!”-Flash kommt. Sie sind aber noch da. Schließlich sind sie doch vorhin erst gekommen. “Vielleicht geht ja noch was?” sagen sie zu einander, und wissen doch, auch sie werden das Weite suchen, bevor aufgeräumt wird. Sie tun so, als seien sie zum Reden hier in der Küche, sie wechseln das Thema auf vage Politik- und Beziehungsahnungen, es wird viel genickt. Sie legen The Cure in den CD-Spieler und die anderen Anwesenden murren deswegen auch nicht mehr.