Ich mag Songtexte. Manchmal ziehen sie einem den Boden unter den Füßen weg. Sie müssen keine komplizierten Wörter verwenden oder seitenlang sein – manchmal reichen wenige Zeilen, die ins Herz stechen. Manchmal passiert dies an den unerwartetsten Momenten, manchmal macht es *Klick!* erst nach Monaten.
Es gibt Songtexte mit mehreren Ebenen und klar, man kann sie überinterpretieren. Aber ich befasse mich mit so was gerne und ich dachte mir: Hey, ich kann das ja vielleicht als unregelmäßiges Feature hier einführen.
Peter Robinson (Popjustice/NME) hat mal für den Guardian einen super Text über Robyn‘s „Dancing On My Own“ geschrieben – in seiner Deutung war Robyn mit dem besungenen männlichen Gegenpart nie zusammen. Nein, sie war eine besessene Stalkerin. Tolle Deutung. Das gibt dem Song eine neue Ebene. Das macht ihn noch besser.
„I‘m His Girl“ von den neuen New Yorker Mediendarlings Friends ist ein prima Song. NYC-Coolness, Disko-Groove, smoooove, das Ding. Aber erst neulich ist mir aufgefallen, dass auch der Text mehrdimensional ist.
Sie reden ja doch! Auch Salla und Masse Salazar, die zwei schweigsamen Schweden mit den chilenischen Wurzeln, die mit Gustaf Norén und Björn Dixgård zusammen Caligola ausmachen, sind dabei, als wir uns einmal mehr zum Interview treffen. Wobei, Interview? Unser musikalischer piranha-Fragebogen, der im Heft den Namen „Jukebox Heroes And Zeroes“ trägt, bedeutet eigentlich immer, dass sich ein zwangloses, vor allem loses Gespräch entspinnt. So auch hier – ich meine, nachher wird Gustaf verlautbaren: „Ich mag Hannah Montana!“ Wer das lesen will: Voilà! read more »
Ist noch Platz im Plattenfach für eine weitere Post-Mumfords-Band? Admiral Fallow unterscheiden sich von all den anderen Nu-Folkies… wodurch?
Nun, zuerst mal sind’s Schotten und sie singen mit Akzent.
Zweitens rocken die auch ein bisschen. Ich bilde mir ein, hier diese schottische Ernstigkeit von Frightened Rabbit oder We Were Promised Jetpacks zu erkennen.
Drittens ist eine Damenstimme mit im Lineup.
Beard Count: 2/5
Doch, die kann man schon wieder erkennen. Und “The Paper Trench” ist eine feine Single.
In meinem heutigen Post über The Laurels erwähnte ich Chapterhouse – diese fünf Jungs aus dem Thames Valley tauchten kurz nach Ride auf, ziemlich gleichzeitig gemeinsam mit den Boo Radleys und Slowdive (deren Rachel Goswell singt auch die “oooooh”s am Schluss ihres Klassikers “Pearl”) – will heißen, 1990 veröffentlichten sie ein paar viel beachtete EPs, 1991 kam ihr Album “Whirlpool” und toppte die UK-Indiecharts. Wenn man von Shoegazing spricht, kommt man nicht an Chapterhouse vorbei – auch, weil sie als extrem uncharismatisch galten. Sie galten als archetypisch für die Jungs, die sich auf der Bühne hinter den hängenden Haaren ihrer Frisuren versteckten und nur auf ihre Schuhe starrten. Auch wenn sie sich im NME verteidigten, in echt würden sie ja nur auf ihre Effektgeräte bzw. den Mädels aus der ersten Reihe in den Ausschnitt gucken (“we are cleavage-gazing”).
1991 trug man Frisuren, hinter denen man sein Gesicht gut verstecken konnte...
So oder So. “Whirlpool” (1991) war für mich SO!!! eine Lieblingsplatte.
Ihr zweites Album “Blood Music” (1993) kam dann zu einem Zeitpunkt, als man – so will es die britische Trendpolizei – auf Shoegazing spuckte. Es war dann auch einerseits zu bemüht, andererseits textlich – sorry – einfach zu dämlich, um es mit den bösen grummelnden Grungern aus den Staaten, die inzwischen die Indiewelt dominierten, aufnehmen zu können. Die Platte ging völlig unter und Chapterhouse trennten sich. 2008 kam es mit dem Revival des Shoegazing zur Reunion.
Längst schon wollte ich hier mal das Video zu “Pearl” platzieren, aber auf youtube war es immer gesperrt. Heute gucke ich mal wieder und sehe: Endlich hat es jemand auf vimeo gepostet. Dieser Jemand (“Light Sap”) ist mein Held des Tages.
Normal poste ich ja hier doch eher IndiePop und weniger IndieRock. Aber diese Nummer von Factory Brains aus Stockholm macht mir Spaß, weil ich finde, der Sänger könnte der kleine Bruder von John Engelbert (Johnossi) sein. Sein Name ist allerdings Samuel Söderberg. Damit man sich’s besser merken kann, heißt auch der Song “Factory Brain”
Konsequent bin ich ja nicht. Da schimpfte ich neulich über drei Bands, denen meiner Meinung nach jede Originalität abgeht… und poste dann hier die neue Single einer Band, die klingt, als sei sie aus dem Jahr 1991 zu uns gebeamt worden. Shoegazing plus baggy Shuffle-Beat – so klangen Chapterhouse, Swervedriver & Co vor 21 Jahren, aber original. The Laurels sind ein Quartett aus Sydney, gelten als Australiens viertbeste Liveband (das war jedenfalls das Ergebnis einer Leserpoll der Website Mess & Noise) und ihr prominentester Fan ist angeblich der Schwimmer Michael Phelps. Die vier stehen vor der Release ihres Debütalbums, bisher gab’s down under eine EP. Originell ist es nicht, die x-te Shoegazing-Neuerwärmung aufzutischen. Aber mei, mir schmeckt’s halt trotzdem so gut. The Laurels machen genau den Sound, auf den ich geprägt bin. Und so ideal wie die Laurels muss man das auch erstmal hinkriegen
Eigentlich liegt man nie falsch mit School Of Seven Bells. Dennoch: “Reappear” ist als Single natürlich eine ungewöhnliche Wahl. Schon schön, in seinem Slowdive’schen Zeitlupensound. Kommt im Albumzusammenhang natürlich auch sehr stimmig. Aber auf sich alleine gestellt? Sagen wir’s so: An die Diskokugel wird mir im Atomic keiner springen, würde ich das Lied auflegen. Da hätte “Ghostory” doch noch ein paar andere Möglichkeiten geboten.
In meinem gestrigen Post waren die Nordiren The Cast Of Cheers unter den Bands, über die ich schimpfte. Prompt stellen sie heute ihre nächste Single online. Hatte ich Recht, als ich ihnen fortgeschrittenen Foals-ismus unterstellte? Entscheidet selbst…